Schlagwort-Archiv: Kompetenzprofil; Curriculumsentwicklung

Fraenzi

Sustainable University Day – Workshop: “Integrating sustainable development into your academic curriculum: ready to share your experience?“

Im Rahmen des „Sustainable University Day“ (Beitrag von Patrizia Kühner) in Bern hat Stephen Sterling (Head of Education for Sustainable Development an der Plymouth University) im Workshop “Integrating sustainable development into your academic curriculum: ready to share your experience?” über seine gemachten Erfahrungen im zehnjährigen Projekt zur Integration von nachhaltiger Entwicklung im Universitätsbereich berichtet. Dabei hat er folgende Schwerpunkte behandelt:

  • Die Nachhaltigkeit soll nach dem „Four C model“ (Campus, Curriculum, Culture und Community) umgesetzt werden. Dies kann auf den drei Ebenen Mikro (Individuen, Veranstaltungen), Meso (Curriculum, Programm) und Makro (Strategie der Universität) geschehen.
  • Das pragmatische (aber zeitaufwändige) Vorgehen zur Einführung von Nachhaltigkeit beinhaltet als ersten Schritt das Erzeugen eines Auftrags und zwar in einem  relevanten und angemessenen Umfang. Als zweiter Schritt gilt es, Beispiele erfolgreicher Umsetzungen aufzuzeigen. In einem dritten Schritt soll die Unterstützung hauptsächlich auf bereits motivierte oder zumindest offene und interessierte Akteure abzielen („invitational approach“). Dabei soll auf bereits existierendes Vertrauen und (versteckte) Initiativen aufgebaut werden. Ebenfalls wichtig ist die Allianz zwischen diversen Mitwirkenden (und deren Erfahrungen),  mit welchen ein Netzwerk über Disziplinen hinweg geschafft wird. In einem vierten und letzten Schritt sollen gemachte Erfolge beibehalten und vor allem auch geteilt werden.
  • Die Integration ins gesamte Curriculum soll gegenüber der Spezialisierung mittels einzelner Veranstaltungen aufgrund der breiten und interdisziplinären Abstützung bevorzugt werden. Zudem werden bei spezifischen Kursen meist nur bereits interessierte Studenten angesprochen.

Anschliessend hat Karl Herweg (Head of Education Cluster an der Universität Bern) mittels Frageblatt konkrete Umsetzungsversuche erfasst und jeweilige Erfolgsfaktoren und Hemmnissen zusammengetragen. Mehrmals aufkommende oder besonders interessante Themen wurden danach im Plenum (infolge Zeitknappheit nur kurz an-) diskutiert:

  • Gibt es mehr als eine „nachhaltige Entwicklung“?
  • Was ist Reihenfolge zur Einstellungsänderung? Zuhören, kritisch darüber nachdenken, Verhalten ändern
  • Wie können Kollegen motiviert und unterstützt werden?
  • Soll die Integration „bottum-up“ oder „top-down“ verlaufen?

Es war faszinierend, wie die Situation genutzt wurde, um das Netzwerk zwischen den VertreterInnen verschiedenster Universitäten zu stärken. So können zukünftig Synergien genutzt und Erfahrungen geteilt werden und folglich die Universitäten voneinander profitieren.

Passfoto_Marion

Entwicklung von Lernzielen für universitäre (Weiter-)Bildungsveranstaltungen

Workshop im Rahmen der Tagung zu „Guter Lehre“ an der Universität Bern am 08.11.2013

Am 08. November 2013 fand an der Universität Bern die Tagung „Die ’’gute’’ Hochschullehre in der Hochschulweiterbildung“ statt. Die etwa 100 Teilnehmer, überwiegend aus dem deutschsprachigen Teil der Schweiz sowie aus Deutschland, waren der Community der Hochschuldidaktiker und -entwickler der Universitäten und Fachhochschulen zugehörig. Nach Plenumsvorträgen folge eine Session mit drei parallel laufenden Workshops. Ganz besonders interessant fand ich den angebotenen Workshop von Dr. Martin Wild-Näf und Judith Studer von der Fachhochschule Bern, der die Erarbeitung von Learning Outcomes thematisierte. Sicherlich stellt dies kein brandneues Thema dar – jedoch war die Darstellung der einzelnen Schritte ebenso gut strukturiert wie praxisnah und somit ein wertvoller Beitrag für die Anwesenden.

Deutlich wurde von den Vortragenden hervorgehoben, dass das Festsetzen der Lernziele eine wichtige Basis für ein ganzes Studienprogramm oder einen einzelnen Kurs darstellt. Um zu den Learning Outcomes zu gelangen, sind die Handlungssituationen zu analysieren, in denen sich die Lernenden im Alltag wiederfinden und mit Problemen konfrontiert werden. Hier wäre eine erste Frage:

1.       Zu welchem Handeln sollen die Lernenden befähigt werden?

Direkt hieraus ergibt sich die Frage nach den benötigten Kompetenzen, um in diesem Handlungsfeld bestehen zu können:

2.       Wie sieht ein zugrundeliegendes Kompetenzprofil aus?

Der Blick sollte zum einen in die Berufspraxis gehen. Hier könnten rechtliche Vorgaben oder Stellenanzeigen Hinweise darauf geben, welche Kompetenzen gefordert werden. Hier wird die grösste Herausforderung gesehen, „korrekte“ Kompetenzprofile zu erstellen – also die Passung zum Arbeitsmarkt, i. d. R. zu Anforderungen an Arbeitnehmer in öffentlichen und privaten Insitutionen, herzustellen. Da die Betrachtung der Vortragenden durch die Linse der Fachhochschulen erfolgte, wäre noch zu bedenken, dass eine Universität die Wissenschaft als weiteren Stakeholder am Arbeitsmarkt zu berücksichtigen hat. Anbieter von (Weiter-)Bildungsveranstaltungen wurden weiterhin von den Vortragenden als kreative Köpfe angesehen: Um den Markt weiterentwickeln zu können, bedarf es einer Reflexion seitens des Anbieters, welches Ziel mit den angebotenen Formaten langfristig angesteuert werden soll. Sicherlich ist an dieser Stelle auch die Anschlussfrage zu stellen, ob ein Kompetenzprofil neben dem direkten beruflichen Bezug nicht auch noch breitere Aspekte, wie z. B. die Allgemeinbildung, beinhalten sollte.

In einem nächsten Schritt werden erarbeitete Kompetenzen operationalisiert bzw. konkretisiert. Folgende Fragen können im weiteren Vorgehen unterstützen:

3.       Welche Inhalte unterstützen die Lernzielerreichung am besten?

Sowohl die Voraussetzung der Teilnehmenden als auch fachdisziplinäre Schwerpunkte sind in der inhaltlichen Abstimmung zu bedenken. Abschliessend sind Gedanken zum richtigen „Mix“, d. h. zur Gestaltung des gesamten Curriculums notwendig.

 4.       Welcher Mix angebotener Formen von Kompetenzerwerb wirkt am besten? Welche Inhalte könnten zum Block gebündelt werden? Welche Nachweise und welche Sequenzierung macht Sinn?

Über die Verdeutlichung des angestrebten Kompetenzprofils der Absolventen kann das Curriculum gesteuert werden und so eine Passung von Profil – Inhalt – Nachweis erreicht werden. Eine Zusammenarbeit mit der Berufspraxis und den bisherigen und zukünftigen Dozierenden/Lehrbeauftragten erscheint in diesem Zusammenhang als sehr wichtig. Die auf der Tagung vorgestellten Schritte und Implikationen zur Lernzielentwicklung decken sich mit unserem eigenen Verständnis der Kompetenzorientierung bei der Curriculumsgestaltung auf Programmebene und wird auch so von uns im Beratungsprozess der Studienprogramme umgesetzt (Brahm & Jenert, 2013).

 

Weitere Informationen finden sich in einem Beitrag des Berner Uni-Magazins.

Quelle:

Brahm, T. & Jenert, T. (2013). Herausforderungen der Kompetenzorientierung in der Studienprogrammentwicklung. In Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 8(1); 7-14.