Kategorie-Archiv: Kompetenzprofil

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Konferenzbeitrag zum Faculty Development auf der DGHD 2014

Im Rahmen der DGHD 2014 in Braunschweig habe ich den Konzeptentwicklungsprozess für unser Faculty Development an der Universität St. Gallen vorstellt. Im Laufe der letzten sechs Monate haben wir  in einem iterativen und kooperativen Prozess ein Konzept für ein ganzheitliches Faculty Development  entwickelt, das nun zur Umsetzung bereitsteht. Das Faculty Development an der Universität St. Gallen umfasst eine Auswahl an Instrumenten wie beispielsweise das Talent Management, das hochschuldidaktische Zertifikatsprogramm sowie die Dozierendentagung , die am 30. April 2014 erstmals durchgeführt wird.

Die Entwicklung des Konzepts erfolgte theoriebasiert. Nachdem die Vision der angestrebten Lehrpraxis an der Universität St. Gallen unter Einbezug verschiedener Stakeholdern innerhalb der Universität ausgelotet werden konnte, wurde ein Lehrkompetenzmodell entwickelt.

Im gemeinsamen Slot auf der DGHD präsentierte auch die Hochschuldidaktik der Universität Zürich ein neu entwickeltes Lehrkompetenzmodell, auf das auch sie im Weiteren die Entwicklung von Instrumenten zur Lehrkompetenzentwicklung ihrer Dozierenden stützen werden. Diese Präsentation gab eine gute Anregung zu einem zukünftigen Austausch unserer Universitäten zum Thema Lehrkompetenzmodell. Angelika Thielsch von der Hochschuldidaktik der Universität Göttingen ergänzte unsere Präsentation ebenfalls sehr gut, da sie das Team-Teaching Programm der Universität Göttingen thematisierte, das seit einigen Jahren sehr erfolgreich angeboten wird.

Da unser erweitertes Konzept für das Faculty Development sowohl mit einem neu entwickelten Lehrkompetenzmodell ausgestattet ist und auch auf der Ebene des hochschuldidaktischen Zertifikatsprogramms ähnliche Ansätze verfolgt wie das Team-Teaching-Programm der Universität Göttingen, fühlten wir uns in unserem Slot auf der DGHD sehr gut aufgehoben und freuen uns auf den (weiteren) Ideenaustausch mit beiden Institutionen.

 

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Zwei Projekte – eine Herausforderung: Education for sustainable development an der Universität St.Gallen

 SD WordCloud

Die abgebildete Word-Cloud wird in diesem Beitrag dazu genutzt werden, zwei Projekte der Hochschulentwicklung vorzustellen, die die Zieldimension „Education for sustainable development“ teilen, die als aktuelle gesellschaftliche Leitidee in allen Bildungsbereichen diskutiert wird. In der Word-Cloud selbst ist die Begriffshäufigkeit der beiden Projektanträge visualisiert.

Die Lehre an einer Wirtschafts-Hochschule, in der diese beiden Projekte realisiert werden, erhält besondere Aufmerksamkeit, da die Anforderungen der wirtschaftlichen Praxis im Interesse einer globalisierten Gesellschaft verantwortungsvolle Führungskräfte verlangt.

In ihren Leitsätzen zur Verantwortung und Nachhaltigkeit bekennt sich die Universität St. Gallen zu der „Aufgabe, zur Bewältigung der Herausforderungen von Verantwortung & Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft beizutragen und deren Anforderung in alle unsere Aktivitäten zu integrieren“ und sind so unmittelbarer institutioneller Bezugspunkt für die vorgestellten Projekte.

1.)  Worin besteht die „Entwicklung“?

In beiden Projekten wird jeweils ein geeigneter Rahmen entwickelt, innerhalb dessen Kompetenzerwerb hinsichtlich nachhaltiger Entwicklung ermöglicht wird.

Im ersten Projekt, geleitet von Frau Prof. Dr. Taiga Brahm, wird das bestehende BWL-Curriculum des Bachelors BWL der Universität St. Gallen dahingehend weiterentwickelt, dass Studierende eine Kompetenz hinsichtlich nachhaltiger Entwicklung erwerben können. Im Gegensatz zu vielen existierenden Bildungsangeboten, die eine komplette Lehrveranstaltung dem Thema „Sustainable Development“ widmen, ist das Ziel dieses Projekts, Kompetenzerwerb hinsichtlich nachhaltiger Entwicklung durch das gesamte Curriculm hinweg zu stärken. („Development of a Curriculum Integrating Sustainable Development in Management Education“) 

Im zweiten Projekt, geleitet von Frau Prof. Dr. Sabine Seufert, wird ein Toolkit entwickelt, das Lehrenden einen systematisierten Zugang zu Unterrichtsressourcen bietet. Mit diesen können sie in ihren Lehrveranstaltungen Kompetenzen hinsichtlich nachhaltiger Entwicklung ihrer Studierenden entwickeln. Überdies wird es dieses Toolkit im Rahmen des Faculty Developments Lehrenden ermöglichen, sich über die Ressourcen auszutauschen und diese zu ergänzen. So wird ebenfalls die Entwicklung von Expertise über das Lehren von nachhaltiger Entwicklung ermöglicht. („Educational Sustainability Toolkit for Faculty“)

2.)  Was bedeutet „nachhaltig“?

Zur inhaltlichen Dimension ist der gemeinsame Ausgangspunkt in der Literatur meist das Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung. Dieses sieht für alle Disziplinen eine möglichst gleichberechtigte und gleichzeitige Berücksichtigung von wirtschaftlichen, sozialen sowie ökologischen Zielen vor. Mit Blick auf die englischen Begrifflichkeiten kann man von den neuen „3Ps“ sprechen.Unbenannt2

Die beiden vorgestellten Projekte fokussieren darüber hinaus insbesondere Nachhaltigkeit in ihrer didaktischen Dimension. Durch die Förderung von kritischem Denken, interdisziplinärem Problemlösen und individueller Verantwortlichkeit, soll das inhaltliche Thema „Nachhaltigkeit“ auch tatsächlich nachhaltig in Lehren und Lernen implementiert werden.

3.)  Was soll bei der Gestaltung von Bildung hinsichtlich nachhaltiger Entwicklung Berücksichtigung finden?

Gemeinsamer Ausgangspunkt beider Projekt ist die Entwicklung eines Verständnis über die ‒ nennen wir sie an dieser Stelle ‒ „Nachhaltigkeits-Kompetenz“ der Studierenden. Zu dieser gehört neben dem Wissen über Nachhaltigkeit auch, dass Studierende in der Zukunft ebenso nachhaltig handeln und schlussendlich eine entsprechende Einstellung entwickeln.

Prägend für beide Projekte ist die unmittelbare Entwicklung der Konzepte für bestehende und geplante Lehrveranstaltungen in Zusammenarbeit mit den Lehrenden. Diskussionswürdige Aspekte zum Verständnis und dessen inhaltlicher und didaktischer Umsetzung können so im Gestaltungsprozess Berücksichtigung finden und weiter präzisiert werden.

Eine zusätzliche wichtige Austauschplattform im Gestaltungsprozess wird der Sustainable University Day sein. Alle Projekte, die im Rahmen des „Sustainable Development at Universities Programme“ der Schweizer Universitätskonferenz gefördert werden, wie auch die beiden vorgestellten, sind eingeladen, sich über ihre Vorhaben zur „Education for sustainable development“ auszutauschen. Sicherlich werden wir an dieser Stelle wieder berichten.

 

 

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Entwicklung von Lernzielen für universitäre (Weiter-)Bildungsveranstaltungen

Workshop im Rahmen der Tagung zu „Guter Lehre“ an der Universität Bern am 08.11.2013

Am 08. November 2013 fand an der Universität Bern die Tagung „Die ’’gute’’ Hochschullehre in der Hochschulweiterbildung“ statt. Die etwa 100 Teilnehmer, überwiegend aus dem deutschsprachigen Teil der Schweiz sowie aus Deutschland, waren der Community der Hochschuldidaktiker und -entwickler der Universitäten und Fachhochschulen zugehörig. Nach Plenumsvorträgen folge eine Session mit drei parallel laufenden Workshops. Ganz besonders interessant fand ich den angebotenen Workshop von Dr. Martin Wild-Näf und Judith Studer von der Fachhochschule Bern, der die Erarbeitung von Learning Outcomes thematisierte. Sicherlich stellt dies kein brandneues Thema dar – jedoch war die Darstellung der einzelnen Schritte ebenso gut strukturiert wie praxisnah und somit ein wertvoller Beitrag für die Anwesenden.

Deutlich wurde von den Vortragenden hervorgehoben, dass das Festsetzen der Lernziele eine wichtige Basis für ein ganzes Studienprogramm oder einen einzelnen Kurs darstellt. Um zu den Learning Outcomes zu gelangen, sind die Handlungssituationen zu analysieren, in denen sich die Lernenden im Alltag wiederfinden und mit Problemen konfrontiert werden. Hier wäre eine erste Frage:

1.       Zu welchem Handeln sollen die Lernenden befähigt werden?

Direkt hieraus ergibt sich die Frage nach den benötigten Kompetenzen, um in diesem Handlungsfeld bestehen zu können:

2.       Wie sieht ein zugrundeliegendes Kompetenzprofil aus?

Der Blick sollte zum einen in die Berufspraxis gehen. Hier könnten rechtliche Vorgaben oder Stellenanzeigen Hinweise darauf geben, welche Kompetenzen gefordert werden. Hier wird die grösste Herausforderung gesehen, „korrekte“ Kompetenzprofile zu erstellen – also die Passung zum Arbeitsmarkt, i. d. R. zu Anforderungen an Arbeitnehmer in öffentlichen und privaten Insitutionen, herzustellen. Da die Betrachtung der Vortragenden durch die Linse der Fachhochschulen erfolgte, wäre noch zu bedenken, dass eine Universität die Wissenschaft als weiteren Stakeholder am Arbeitsmarkt zu berücksichtigen hat. Anbieter von (Weiter-)Bildungsveranstaltungen wurden weiterhin von den Vortragenden als kreative Köpfe angesehen: Um den Markt weiterentwickeln zu können, bedarf es einer Reflexion seitens des Anbieters, welches Ziel mit den angebotenen Formaten langfristig angesteuert werden soll. Sicherlich ist an dieser Stelle auch die Anschlussfrage zu stellen, ob ein Kompetenzprofil neben dem direkten beruflichen Bezug nicht auch noch breitere Aspekte, wie z. B. die Allgemeinbildung, beinhalten sollte.

In einem nächsten Schritt werden erarbeitete Kompetenzen operationalisiert bzw. konkretisiert. Folgende Fragen können im weiteren Vorgehen unterstützen:

3.       Welche Inhalte unterstützen die Lernzielerreichung am besten?

Sowohl die Voraussetzung der Teilnehmenden als auch fachdisziplinäre Schwerpunkte sind in der inhaltlichen Abstimmung zu bedenken. Abschliessend sind Gedanken zum richtigen „Mix“, d. h. zur Gestaltung des gesamten Curriculums notwendig.

 4.       Welcher Mix angebotener Formen von Kompetenzerwerb wirkt am besten? Welche Inhalte könnten zum Block gebündelt werden? Welche Nachweise und welche Sequenzierung macht Sinn?

Über die Verdeutlichung des angestrebten Kompetenzprofils der Absolventen kann das Curriculum gesteuert werden und so eine Passung von Profil – Inhalt – Nachweis erreicht werden. Eine Zusammenarbeit mit der Berufspraxis und den bisherigen und zukünftigen Dozierenden/Lehrbeauftragten erscheint in diesem Zusammenhang als sehr wichtig. Die auf der Tagung vorgestellten Schritte und Implikationen zur Lernzielentwicklung decken sich mit unserem eigenen Verständnis der Kompetenzorientierung bei der Curriculumsgestaltung auf Programmebene und wird auch so von uns im Beratungsprozess der Studienprogramme umgesetzt (Brahm & Jenert, 2013).

 

Weitere Informationen finden sich in einem Beitrag des Berner Uni-Magazins.

Quelle:

Brahm, T. & Jenert, T. (2013). Herausforderungen der Kompetenzorientierung in der Studienprogrammentwicklung. In Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 8(1); 7-14.