Kategorie-Archiv: Curriculumsentwicklung

Fraenzi

Volkswirtschaft: Integration von Nachhaltigkeit und Verantwortung an der Universität St.Gallen

Wenn wir keinen Planeten mehr haben, geht es der Wirtschaft nicht gut.“ (Al Gore)

Die Worte des ehemaligen Vizepräsidenten der USA und Friedensnobelpreisträgers 2007 widerspiegeln die soziale Verantwortung von Universitäten für Umweltpolitik und damit für die nachhaltige Existenz unseres Planeten. Genau deswegen wird an der Wirtschaftsuniversität in St. Gallen das Ziel verfolgt, das Konzept der „Nachhaltigkeit und Verantwortung“ ab Herbstsemester 2014 in das bestehende Curriculum des Bachelors BWL zu aufnehmen.
Patrizia Kühner hat bereits von der Überarbeitung der Veranstaltung „Marketing“ bei Prof. Dr. Torsten Tomczak berichtet. Im Rahmen meiner Bachelorarbeit übernehme ich die Integration in die Pflichtveranstaltungen Mikroökonomik II bei Prof. Dr. Stefan Bühler und in Makroökonomik II bei Prof. Dr. Winfried Königer.

Mittels Literaturrecherche (vorwiegend Artikel aus Journals für ‚economic education‘) sowie Interviews und Gesprächen mit den verantwortlichen Professoren/-innen, Übungsleitern/-innen und betroffenen Studierenden, aber auch mit einer Dozierenden aus Australien habe ich die bisherigen Vorlesungen redigiert und sowohl inhaltliche als auch methodische Ideen gesammelt. Letztere können beispielsweise Case Studies, Diskussionen oder Classroom Games darstellen. Diese allgemeinen Vorschläge werden dann – je nach Auswahl – in Kooperation mit den Verantwortlichen der Veranstaltungen konkret ausgearbeitet.

Das Team des SD-Programms hat das Ziel, die Studierenden zum kritischen und engagierten Denken anzuregen, anstatt zu moralisieren. Darum wird – besonders auch im volkswirtschaftlichen Teil – ein verstärkter Fokus auf die didaktische Dimension gelegt: Durch die Förderung von kritischem Denken, interdisziplinärem Problemlösen und individueller Verantwortlichkeit, soll das (inhaltliche) Konzept der „Verantwortung und Nachhaltigkeit“ auch tatsächlich nachhaltig in Lehren und Lernen implementiert werden. Zum einen wird dadurch eine Übersättigung der Thematik Nachhaltigkeit vermieden. Desweiteren ist eine hinterfragende und vernetzte Denkweise effektiver und beständiger als bloss auswendig gelernte, inhaltliche Aspekte. Und zuletzt können dadurch und in Kombination mit Wissen und Informationen fundiert (neue) Meinungen gebildet und Einstellungen schliesslich geändert werden.

Obwohl man mit dieser Neuerung nicht überall offene Türen einrennt, bin ich – wie Günter Paal – der Meinung, dass „Nachhaltigkeit eine elegante, vielleicht sogar die einzige Methode ist, zu gewährleisten, dass die Menschheit im Spiel bleibt“ und die Universität St. Gallen somit mit diesem Projekt soziale Verantwortung übernimmt und die Gesellschaft stärkt, sodass es unserem Planeten noch lange gut geht.

Gerne berichte ich zu einem späteren Zeitpunkt über detaillierte Vorschläge und Resultate der Integration von Nachhaltigkeit und Verantwortung in die volkswirtschaftlichen Fächer Mikroökonomik II und Makroökonomik II.

 

 

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Rückblick Sustainable University Day 2014

Am 28.03.14 haben wir als Projektteam am Sustainable University Day teilgenommen. Der erste seiner Art, der folgende Frage zum Thema gemacht hat: Wie kann nachhaltige Entwicklung in der Universität, insbesondere in Studiengängen verankert werden?

Etwa 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung nach Bern. Den Auftakt gestalteten fünf Workshops. Unter anderem der von Stephen Sterling und Karl Herweg. Dieser lässt sich unmittelbar mit unserem Projekt an der HSG  verbinden und wird in einem separaten Beitrag von Franziska Burkart vorgestellt.

Den Workshop „How to develop curricula for sustainable development: the case of Business Schools“ gestalteten Taiga Brahm und ich.

Frau Prof. Katrin Muff, Dean der Business  School Lausanne (BSL), eröffnete als Expertin den Workshop. Sie berichtete darüber, wie es gelungen ist, ein Curriculum für Sustainable Development an der BSL zu entwickeln. Eindrücklich war, dass jeder Kurs zu mindestens 10% Inhalte aus den Bereichen Verantwortung und Nachhaltigkeit enthalten muss. Zielführend bei der Implementierung war neben einem zukunftsgerichteten Mission Statement die Prozessgestaltung selbst: Ausgewählte und systematisch zusammengesetzte Teams entwickelten Umsetzungsmöglichkeiten. So konnten überzeugende Best-Practice-Beispiele generiert werden, die mit Hilfe von Peer-Reviews Eingang in den Umsetzungsprozess fanden.

Als vorteilhaft für die Umsetzung beschrieb Frau Muff unter anderem die Rahmenbedingung, dass es sich bei der BSL um eine kleine Hochschule mit vielen Beteiligten aus der betrieblichen Praxis handle, die um die praktische Relevanz von Nachhaltigkeit und Verantwortung wissen. Ausserdem sei das Selbstverständnis der Hochschule als ein Ort, an dem zukunftsrelevante Aspekte diskutiert und bearbeitet werden sollen, relevant für eine erfolgreiche Umsetzung. Eine vergleichbare Zielformulierung hat die HSG vorgenommen. Deshalb schlägt Frau Muff vor, diese noch stärker zu thematisieren, um Lehrende für das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung zu gewinnen.

Die Teilnehmenden an der anschliessenden Diskussion zum aktuellen Stand unseren Projekts waren sehr vielfältig: Studierende und Professoren, wie auch Programmverantwortliche von universitären und außeruniversitären Einrichtungen beteiligten sich sehr rege an der Erörterung folgender Fragen:

  • Welche Kompetenzen benötigen wir für Sustainable Development? Inwieweit gibt es hierbei Unterschiede zwischen den Disziplinen? ‒ Erörterte Aspekte waren u.a. fächerübergreifende Kompetenzen, wie systemisches Denken sowie Werthaltungen und -diskussionen.
  • Welche Methoden setzen wir bereits ein, um die Studierenden anzuregen, über nachhaltige Entwicklung vertieft nachzudenken? Welche Rahmenbedingungen sind hierfür notwendig? ‒ Erörterte  Aspekte waren: Veranstaltungsformen, Lehrkompetenzen, Disziplinverständnis und Curriculumsgestaltung, um Themen interdisziplinär von Studierenden bearbeiten zu lassen.

Aus dem Nachmittagsprogramm möchte ich an dieser Stelle das Input-Referat von Herrn Prof. Stephen Sterling  hervorheben. An der Universität Plymouth setzt er sich für eine umfassende Verankerung des SD-Gedankens gemäss dem „4C-Model“ ein, das Franziska Burkart in ihrem Beitrag erläutert. Besondere und zweifache Herausforderung sieht er darin, dass die Einführung und Umsetzung des Sustainable-Developments-Gedankens ein strukturelles und organisationales Lernen bei allen Beteiligten der Hochschule fordert. Das Referat verdeutlichte gut, wie ein Projekt, wie das unsere, einen Beitrag zu einem wesentlich umfassenderen „institutional change process“ einer Hochschule darstellt, der alle universitären  Bereiche tangiert.

Ausblick möchte ich abschliessend auf den folgenden Sustainable University Day geben. Dieser wird im März 2015 an der Universität St. Gallen stattfinden. ‒ Wir freuen uns jetzt schon auf diesen Tag, der Forschenden, Interessierten und Betroffenen von Bildung für nachhaltige Entwicklung an der Hochschule eine vielfältige Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und für Diskussionen gibt.

Fraenzi

Sustainable University Day – Workshop: “Integrating sustainable development into your academic curriculum: ready to share your experience?“

Im Rahmen des „Sustainable University Day“ (Beitrag von Patrizia Kühner) in Bern hat Stephen Sterling (Head of Education for Sustainable Development an der Plymouth University) im Workshop “Integrating sustainable development into your academic curriculum: ready to share your experience?” über seine gemachten Erfahrungen im zehnjährigen Projekt zur Integration von nachhaltiger Entwicklung im Universitätsbereich berichtet. Dabei hat er folgende Schwerpunkte behandelt:

  • Die Nachhaltigkeit soll nach dem „Four C model“ (Campus, Curriculum, Culture und Community) umgesetzt werden. Dies kann auf den drei Ebenen Mikro (Individuen, Veranstaltungen), Meso (Curriculum, Programm) und Makro (Strategie der Universität) geschehen.
  • Das pragmatische (aber zeitaufwändige) Vorgehen zur Einführung von Nachhaltigkeit beinhaltet als ersten Schritt das Erzeugen eines Auftrags und zwar in einem  relevanten und angemessenen Umfang. Als zweiter Schritt gilt es, Beispiele erfolgreicher Umsetzungen aufzuzeigen. In einem dritten Schritt soll die Unterstützung hauptsächlich auf bereits motivierte oder zumindest offene und interessierte Akteure abzielen („invitational approach“). Dabei soll auf bereits existierendes Vertrauen und (versteckte) Initiativen aufgebaut werden. Ebenfalls wichtig ist die Allianz zwischen diversen Mitwirkenden (und deren Erfahrungen),  mit welchen ein Netzwerk über Disziplinen hinweg geschafft wird. In einem vierten und letzten Schritt sollen gemachte Erfolge beibehalten und vor allem auch geteilt werden.
  • Die Integration ins gesamte Curriculum soll gegenüber der Spezialisierung mittels einzelner Veranstaltungen aufgrund der breiten und interdisziplinären Abstützung bevorzugt werden. Zudem werden bei spezifischen Kursen meist nur bereits interessierte Studenten angesprochen.

Anschliessend hat Karl Herweg (Head of Education Cluster an der Universität Bern) mittels Frageblatt konkrete Umsetzungsversuche erfasst und jeweilige Erfolgsfaktoren und Hemmnissen zusammengetragen. Mehrmals aufkommende oder besonders interessante Themen wurden danach im Plenum (infolge Zeitknappheit nur kurz an-) diskutiert:

  • Gibt es mehr als eine „nachhaltige Entwicklung“?
  • Was ist Reihenfolge zur Einstellungsänderung? Zuhören, kritisch darüber nachdenken, Verhalten ändern
  • Wie können Kollegen motiviert und unterstützt werden?
  • Soll die Integration „bottum-up“ oder „top-down“ verlaufen?

Es war faszinierend, wie die Situation genutzt wurde, um das Netzwerk zwischen den VertreterInnen verschiedenster Universitäten zu stärken. So können zukünftig Synergien genutzt und Erfahrungen geteilt werden und folglich die Universitäten voneinander profitieren.

Fraenzi

oikos & Pizza – Energie-Agentur der Wirtschaft

Im März 2014 besuchte ich „oikos & Pizza“, einen regelmässigen Anlass, um Studierende für Themen der Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und innovative Lösungen zu gegenwärtigen sowie künftigen Herausforderungen zu diskutieren.

Einleitend erfolgte ein kurzer Input zu Un-Dress, einem Fashionevent über „Bewusst sein mit Stil“ Ende April: Dort soll gezeigt werden, dass „nachhaltig“ und „modisch“ – trotz Aufeinandertreffen von Konsum, Mode und Natur – durchaus zusammenpassen.

Auf „Energie-Effizienz: Hemmnisse, Instrumente und Ansatzpunkte in der Wirtschaft“ lag der Fokus des Abends. Herr Dr. Armin Eberle, Geschäftsführer der EnAW (Energie-Agentur der Wirtschaft), referierte kompetent zu diesem Thema: Effizienz ist die Lösung zur Senkung des Energieverbrauchs trotz Wachstum der Bevölkerung bzw. der wirtschaftlichen Tätigkeit. Dadurch kann die Nachhaltigkeit über drei Facetten erreicht werden:
a) ökologisch, z.B. indem der CO2-Ausstoss vergingert oder Energie gespart wird.
b) ökonomisch, also mittels wirtschaftlichen Massnahmen.
c) sozial, bspw. durch Förderung von Cleantech, Arbeitsplätzen und Investitionen in die Schweiz.
Wichtig für die Sensibilisierung sowie die Um- und Durchsetzung ist nicht primär der Inhalt, sondern die Art und Weise der Kommunikation. Bedeutsame Treiber sind diesbezüglich Erfahrungsberichte anderer, Regulation seitens des Gesetzgebers, Wirtschaftlichkeit und Klimawandel.

Besonders beeindruckt (und überrascht) hat mich dabei, dass bis zu 40% des Energieverbrauchs eingespart werden können: Hauptsparpotenziale sind grundsätzlich der IT-Bereich, Gebäudegegebenheiten und der Geschäftsverkehr. Bei der Raiffeisen Bank betrugen die Einsparungen ohne jegliche physische Investitionen bereits 12%. Bewusstmachung und konkrete Hinweise zur Behebung von Ineffizienzen waren dabei ausschlaggebend.

Ebenso wurde das Energie-Management-Modell der EnAW vorgestellt:

Energie Modell EnAW

Sehr spannend waren die Erläuterungen dazu: Gemäss des Referenten ist nicht nur das Controlling, sondern allen voran die konkrete Zielvereinbarung von grosser Bedeutung. Nur so kann zu Massnahmen motiviert – respektive können diese durchgesetzt und gerechtfertigt – werden.

„oikos & Pizza“ regt zur Reflexion an und fördert den Kontakt bzw. Austausch mit Fachpersonen, ebenso aber auch zwischen den Studierenden. Meiner Meinung nach ist diese Veranstaltung von oikos ein Weg mit viel Potenzial zur Stärkung des Bewusstseins in der Thematik Nachhaltigkeit – also definitiv mehr als nur Pizza!

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Rückblick: Friday Lecture an der Universität Wien

Anfang März war ich eingeladen, eine Friday Lecture zum Thema „Kompetenzorientierte Entwicklung von Studien“ an der Universität Wien zu halten. Die Friday Lectures werden organisiert vom Center for Teaching and Learning (CTL) der Universität Wien und ca. fünfmal pro Semester angeboten. Sie drehen sich um verschiedene Themen zum Lehren und Studieren.

In meinem Vortrag habe ich die Grundhaltung der Kompetenzorientierung aufgegriffen und anhand von drei Fallvignetten Möglichkeiten der kompetenzorientierten Gestaltung von Studiengängen illustriert.

In den Fallvignetten wurden folgende drei Aspekte vertieft:

  • Kompetenzorientierte Formulierung von Lernzielen
  • Kompetenzorientierte Gestaltung von Lehrveranstaltungen und Studienprogrammen
  • Kompetenzorientiertes Prüfen

Entsprechend hat folgendes Ordnungsraster, das in Teilen auf dem Fachgutachten zur Kompetenzorientierung von Niclas Schaper, Universität Paderborn, basiert, den Vortrag geleitet:

kompetenzorientierte-studiengangsentwicklung

Sehr spannend waren die Diskussionen, die nach jeder Fallvignette mit dem Publikum geführt wurden. Dabei wurde beispielsweise von der Erfahrung in Beratungen berichtet, dass kompetenzorientierte Lernziele trotz allem administrativen Aufwand, der mit ihrer Formulierung einhergeht, ein gutes Gerüst für die Lehrpersonen bieten, um über ihre Veranstaltungen und deren Ergebnisse zu reflektieren. Gleichzeitig wurde auch immer wieder angemerkt, dass die Motivation der Lehrenden für die Weiterentwicklung ihrer Veranstaltungen ausschlaggebend ist, damit Kompetenzorientierung ihr Potenzial entfalten kann und dass die Übersetzung der didaktischen Modell in die Lehrpraxis für alle Beteiligten eine Herausforderung darstellt.

Meine Quintessenz im Vortrag war – ausgehend von unseren Erfahrungen – , dass im Rahmen der Studiengangsentwicklung ein Prozess geleitet von zielgruppenorientierten Leitfragen (anstelle von Kompetenzmodellen) erfolgsversprechend ist. Auf diese Weise streben wir an, die Diskussion mit den Vertretern/-innen der Studienprogramme auf Augenhöhe und in ihrer Sprache zu führen, anstelle sie mit didaktischen Modellen zu überladen. Letztlich münden die Diskussionen dann doch in einem Kompetenzmodell, das aber eher über einen indirekten Weg entsteht. Für uns ist das im Moment der angemessene Weg, um nachhaltig zur Weiterentwicklung unserer Studiengänge beizutragen.

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Zwei Projekte – eine Herausforderung: Education for sustainable development an der Universität St.Gallen

 SD WordCloud

Die abgebildete Word-Cloud wird in diesem Beitrag dazu genutzt werden, zwei Projekte der Hochschulentwicklung vorzustellen, die die Zieldimension „Education for sustainable development“ teilen, die als aktuelle gesellschaftliche Leitidee in allen Bildungsbereichen diskutiert wird. In der Word-Cloud selbst ist die Begriffshäufigkeit der beiden Projektanträge visualisiert.

Die Lehre an einer Wirtschafts-Hochschule, in der diese beiden Projekte realisiert werden, erhält besondere Aufmerksamkeit, da die Anforderungen der wirtschaftlichen Praxis im Interesse einer globalisierten Gesellschaft verantwortungsvolle Führungskräfte verlangt.

In ihren Leitsätzen zur Verantwortung und Nachhaltigkeit bekennt sich die Universität St. Gallen zu der „Aufgabe, zur Bewältigung der Herausforderungen von Verantwortung & Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft beizutragen und deren Anforderung in alle unsere Aktivitäten zu integrieren“ und sind so unmittelbarer institutioneller Bezugspunkt für die vorgestellten Projekte.

1.)  Worin besteht die „Entwicklung“?

In beiden Projekten wird jeweils ein geeigneter Rahmen entwickelt, innerhalb dessen Kompetenzerwerb hinsichtlich nachhaltiger Entwicklung ermöglicht wird.

Im ersten Projekt, geleitet von Frau Prof. Dr. Taiga Brahm, wird das bestehende BWL-Curriculum des Bachelors BWL der Universität St. Gallen dahingehend weiterentwickelt, dass Studierende eine Kompetenz hinsichtlich nachhaltiger Entwicklung erwerben können. Im Gegensatz zu vielen existierenden Bildungsangeboten, die eine komplette Lehrveranstaltung dem Thema „Sustainable Development“ widmen, ist das Ziel dieses Projekts, Kompetenzerwerb hinsichtlich nachhaltiger Entwicklung durch das gesamte Curriculm hinweg zu stärken. („Development of a Curriculum Integrating Sustainable Development in Management Education“) 

Im zweiten Projekt, geleitet von Frau Prof. Dr. Sabine Seufert, wird ein Toolkit entwickelt, das Lehrenden einen systematisierten Zugang zu Unterrichtsressourcen bietet. Mit diesen können sie in ihren Lehrveranstaltungen Kompetenzen hinsichtlich nachhaltiger Entwicklung ihrer Studierenden entwickeln. Überdies wird es dieses Toolkit im Rahmen des Faculty Developments Lehrenden ermöglichen, sich über die Ressourcen auszutauschen und diese zu ergänzen. So wird ebenfalls die Entwicklung von Expertise über das Lehren von nachhaltiger Entwicklung ermöglicht. („Educational Sustainability Toolkit for Faculty“)

2.)  Was bedeutet „nachhaltig“?

Zur inhaltlichen Dimension ist der gemeinsame Ausgangspunkt in der Literatur meist das Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung. Dieses sieht für alle Disziplinen eine möglichst gleichberechtigte und gleichzeitige Berücksichtigung von wirtschaftlichen, sozialen sowie ökologischen Zielen vor. Mit Blick auf die englischen Begrifflichkeiten kann man von den neuen „3Ps“ sprechen.Unbenannt2

Die beiden vorgestellten Projekte fokussieren darüber hinaus insbesondere Nachhaltigkeit in ihrer didaktischen Dimension. Durch die Förderung von kritischem Denken, interdisziplinärem Problemlösen und individueller Verantwortlichkeit, soll das inhaltliche Thema „Nachhaltigkeit“ auch tatsächlich nachhaltig in Lehren und Lernen implementiert werden.

3.)  Was soll bei der Gestaltung von Bildung hinsichtlich nachhaltiger Entwicklung Berücksichtigung finden?

Gemeinsamer Ausgangspunkt beider Projekt ist die Entwicklung eines Verständnis über die ‒ nennen wir sie an dieser Stelle ‒ „Nachhaltigkeits-Kompetenz“ der Studierenden. Zu dieser gehört neben dem Wissen über Nachhaltigkeit auch, dass Studierende in der Zukunft ebenso nachhaltig handeln und schlussendlich eine entsprechende Einstellung entwickeln.

Prägend für beide Projekte ist die unmittelbare Entwicklung der Konzepte für bestehende und geplante Lehrveranstaltungen in Zusammenarbeit mit den Lehrenden. Diskussionswürdige Aspekte zum Verständnis und dessen inhaltlicher und didaktischer Umsetzung können so im Gestaltungsprozess Berücksichtigung finden und weiter präzisiert werden.

Eine zusätzliche wichtige Austauschplattform im Gestaltungsprozess wird der Sustainable University Day sein. Alle Projekte, die im Rahmen des „Sustainable Development at Universities Programme“ der Schweizer Universitätskonferenz gefördert werden, wie auch die beiden vorgestellten, sind eingeladen, sich über ihre Vorhaben zur „Education for sustainable development“ auszutauschen. Sicherlich werden wir an dieser Stelle wieder berichten.

 

 

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Leute, wir sind an einer UNI

Als Beitrag zum Themenheft „Studienprogrammentwicklung“ der Zeitschrift für Hochschulentwicklung habe ich mich in einem Beitrag mit der Bedeutung akademischer Kulturen für die Lehrentwicklung befasst. Im wesentlichen geht es mir darum, auch und gerade im Rahmen des „Shift from Teaching to Learning“ nicht zu vergessen, in welchem Kontext wir uns befinden – in der Wissenschaft. Angesichts der ganz spezifischen Merkmale akademischer Karrierewege, Persönlichkeiten und Kulturen sollten sich Lehrentwickler/-innen bewusst sein, dass eine Abkehr von der disziplinären Sichtweise bisweilen eine grosse Herausforderung für Lehrende darstellt. Warum genau und an welchen Stellen man besonders aufmerksam in Bezug auf akademische Kulturen sein sollte, kann man im Beitrag nachlesen:

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Rückblick auf den Besuch an der Zeppelin-Universität

Im Februar 2014 war ich an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen zu Besuch. Zweck des Besuchs war der Austausch zwischen dem dortigen Lehrstuhl für Hochschuldidaktik und unserem Team für Hochschulentwicklung mit dem Ziel, gemeinsamen thematische Interessen zu identifizieren und zu vertiefen. Zunächst nochmals herzlichen Dank an Dr. Sandra Hofhues und Prof. Dr. Gabi Reinmann für die freundliche Aufnahme vor Ort und die Organisation des Besuchs.

Rückblickend lassen sich drei Themenstränge identifizieren, die in den Gesprächen mit verschiedenen Vertretern/-innen der ZU immer wieder aufkamen. An dieser Stelle möchte ich nicht nur die thematische Diskussion zusammenfassen, sondern auch den Bezug zu unserer eigenen Arbeit im Team Hochschulentwicklung herstellen.

1. Wie muss die Hochschulentwicklung an einer Universität verankert werden, um die Qualität der Lehre verbessern zu können?

Der Lehrstuhl für Hochschuldidaktik wurde im vergangenen Herbst an der ZU eingerichtet. Immer wieder kam nicht nur deswegen die Frage auf, wie sich Hochschulentwicklung und Hochschuldidaktik innerhalb einer Hochschule positionieren müssen, damit sie wirksame Veränderungen im Hinblick auf die Lehre erreichen können. Im Vergleich zu vielen anderen deutschen Hochschulen ist der Lehrstuhl für Hochschuldidaktik strategisch sehr hoch aufgehängt, da Gabi Reinmann in Personalunion gleichzeitig Vizepräsidentin für Lehre und Didaktik an der ZU  ist. Unsere Situation in St. Gallen ist einerseits ählich, da Dieter Euler als Delegierter des Rektorats für Qualitätsentwicklung ebenfalls eng mit der Hochschulleitung zusammenarbeitet. Andererseits ist unsere Situation aber auch deutlich anders, da das Team Hochschulentwicklung in das Institut für Wirtschaftspädagogik eingegliedert ist und sich unsere Forschungs- und Entwicklungsarbeiten nicht nur auf den Kontext der Hochschule, sondern auch auf Schulen und Betriebe beziehen.

2. Wie kann Studienprogrammentwicklung an einer Hochschule gestaltet werden?

Bereits in einem Beitrag in der ZfHE im Jahr 2010 stellten Tobias Jenert und ich fest, dass Programmverantwortliche i.d.R. im so genannten „Third Space“ (z. B. Whitchurch, 2008, 2010) agieren, d.h. eine Mittlerfunktion zwischen der Akademia und der Administration an einer Hochschule wahrnehmen. Auch an der ZU ist diese Position sehr deutlich spürbar. Ähnlich wie an der Universität St. Gallen wird die Rolle der Verantwortlichen für ein Studienprogramm (an der ZU Programmdirektoren genannt) von einer speziell mit dieser Aufgabe betrauten Person ausgefüllt, was zu einer hohen Professionalisierung des Programmmanagements führt. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie die strategische Weiterentwicklung des Studiengangs dauerhaft vorangetrieben werden kann. Besonders bedeutsam erscheint an beiden Institutionen eine enge Verbindung und häufige Kommunikation mit den Lehrenden und Lernenden im Studiengang.

3. Wie kann man Angebote für die Zielgruppe der (Nachwuchs-)Lehrenden gestalten?

Sowohl für die ZU als auch für die HSG besteht die Herausforderung, im Rahmen des lehrbezogenen Faculty Development ansprechende Angebote für die Zielgruppe der (Nachwuchs-)Lehrenden zu entwickeln. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit diese Angebote immer zielgruppenorientiert sein müssen oder ob es für die Weiterentwicklung der Zielgruppen nicht zielführender wäre, hier auch einmal aus dem Gewohnten auszubrechen. Anschliessend daran ist zu diskutieren, wie viel Verpflichtung man eigentlich für die Qualität(sentwicklung) der Lehre erreichen kann. Dabei ist in den Diskussionen immer wieder aufgefallen, dass verschiedene Ansprüche an die Studierenden getragen werden (z. B. Interdisziplinarität, Eigenverantwortung), die aber von den Lehrenden nicht oder nur teilweise gelebt werden.

Diese (und weitere) Felder werden uns im Team Hochschulentwicklung in der Zukunft sicherlich weiterhin beschäftigen. Wir freuen uns auf den Austausch und das gemeinsame Weiterdenken mit der ZU!

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Rückblick auf das Strategie-Meeting bei oikos international

Letzten Freitag war ich bei einem Strategiemeeting von oikos international zu Gast. oikos international ist eine Organisation von Studierenden, die im Jahr 1987 in St. Gallen gegründet wurde. Inzwischen umfasst oikos international 40 so genannte „Chapter“, die in Europa, Asien, Nord-Amerika und neuerdings auch in Afrika agieren. Oikos international beschreibt seine Vision auf der Website wie folgt:

„we today empower future leaders to drive change towards sustainability worldwide”

Gerne möchte ich den Ablauf des Treffens als Reflexionsanlass für diesen Blog-Beitrag nutzen. Dabei ist es mir natürlich ein Anliegen, keine Details über den Strategieprozess zu verbreiten. Ziel ist dagegen, über den Prozess der Strategieentwicklung zu reflektieren und daraus Erkenntnisse mit Relevanz für die Hochschulentwicklung zu transferieren. Dabei steht also die Methodik des Strategietreffens im Vordergrund.

Das Treffen hatte zum Ziel, Experten/-innen mit einer Affinität zum Thema „nachhaltige Entwicklung“ zum momentanen Stand des Strategieprozesses von oikos international zu Wort kommen zu lassen. In Vorbereitung auf das Treffen wurden Unterlagen zu oikos und zu den momentanen strategischen Überlegungen verschickt. Die Unterlagen wurden von den Verantwortlichen dann im Rahmen des Treffens nochmals rekapituliert. Interessant wurde das Format dann am Ende des Vormittags: Die Experten/-innen nahmen in einem Fishbowl-Setting Stellung zum aktuellen Stand der Strategieentwicklung zu beziehen.

Bildquelle: Fishbowl-Setting mit Experten/-innen innen (bunte Kreise) und Vertreter/-innen von oikos international aussen (grüne Kreise).

Ziel war es in einer ersten Runde, die Eindrücke offen zu reflektieren, um möglich „blinde Flecken“ in der Strategiearbeit zu identifizieren. Über die Diskussion der Experten/-innen stellten sich verschiedene Unklarheiten heraus, die in einem kurzen Intermezzo von den Vertretern/-innen von oikos international kommentiert wurden. In der zweiten Fishbowl-Runde wurden dann bereits Ideen gesammelt, wie den blinden Flecken begegnet werden könnte. Am Nachmittag wurden die Experten/-innen getrennt, um zwei spezifische Fragestellungen zu diskutieren. Als Abschluss konnten dann alle Beteiligten nochmals Fragestellungen im Sinne einer Open Space-Diskussion einbringen.

Die Fishbowl-Methode erscheint mir – auch im Nachgang – sehr geeignet, um eine Diskussion von mehreren Experten/-innen anzuregen. Wesentlich ist, dass vorher ein gemeinsames Verständnis des genauen Ziels der Fishbowl entwickelt wird, z. B. über Verständnisfragen vorab oder kürzere Kleingruppendiskussionen im Vorfeld zur Fishbowl. Denkbar wäre auch gewesen, dem Open Space zum Abschluss des Strategie-Tages einen grösseren Raum einzuräumen, um den verschiedenen in der Fishbowl aufgekommenen Aspekten besser nachgehen zu können.

Aus inhaltlicher Sicht war es ebenfalls spannend, die Parallelen in den Überlegungen von oikos international und unserem Projekt zur Förderung Einführung von „Nachhaltiger Entwicklung“ als Kernthema im Bachelor BWL zu beobachten. Oikos international hat ebenfalls zum Ziel, die Curricula an Business Schools so zu verändern, dass Nachhaltigkeit eine grössere Rolle spielt. Dabei sind für oikos die Studierenden die wichtigste Akteursgruppe, während in unserem Projekt die Dozierenden der Pflichtveranstaltungen im Bachelor BWL im Moment noch unsere wichtigsten Ansprechpartner/-innen sind. Zukünftig ist es sicher wesentlich, mit den Studierenden noch stärker ins Gespräch zu kommen. Hier sind oikos international und insbesondere auch das Chapter in St. Gallen wichtige Impulsgeber für unseren Prozess zur  an der HSG. Nicht nur aus diesem Grund war das Zusammentreffen mit den Kollegen/-innen von oikos und anderen Experten/-innen im Feld sehr wertvoll.

 

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Entwicklung von Lernzielen für universitäre (Weiter-)Bildungsveranstaltungen

Workshop im Rahmen der Tagung zu „Guter Lehre“ an der Universität Bern am 08.11.2013

Am 08. November 2013 fand an der Universität Bern die Tagung „Die ’’gute’’ Hochschullehre in der Hochschulweiterbildung“ statt. Die etwa 100 Teilnehmer, überwiegend aus dem deutschsprachigen Teil der Schweiz sowie aus Deutschland, waren der Community der Hochschuldidaktiker und -entwickler der Universitäten und Fachhochschulen zugehörig. Nach Plenumsvorträgen folge eine Session mit drei parallel laufenden Workshops. Ganz besonders interessant fand ich den angebotenen Workshop von Dr. Martin Wild-Näf und Judith Studer von der Fachhochschule Bern, der die Erarbeitung von Learning Outcomes thematisierte. Sicherlich stellt dies kein brandneues Thema dar – jedoch war die Darstellung der einzelnen Schritte ebenso gut strukturiert wie praxisnah und somit ein wertvoller Beitrag für die Anwesenden.

Deutlich wurde von den Vortragenden hervorgehoben, dass das Festsetzen der Lernziele eine wichtige Basis für ein ganzes Studienprogramm oder einen einzelnen Kurs darstellt. Um zu den Learning Outcomes zu gelangen, sind die Handlungssituationen zu analysieren, in denen sich die Lernenden im Alltag wiederfinden und mit Problemen konfrontiert werden. Hier wäre eine erste Frage:

1.       Zu welchem Handeln sollen die Lernenden befähigt werden?

Direkt hieraus ergibt sich die Frage nach den benötigten Kompetenzen, um in diesem Handlungsfeld bestehen zu können:

2.       Wie sieht ein zugrundeliegendes Kompetenzprofil aus?

Der Blick sollte zum einen in die Berufspraxis gehen. Hier könnten rechtliche Vorgaben oder Stellenanzeigen Hinweise darauf geben, welche Kompetenzen gefordert werden. Hier wird die grösste Herausforderung gesehen, „korrekte“ Kompetenzprofile zu erstellen – also die Passung zum Arbeitsmarkt, i. d. R. zu Anforderungen an Arbeitnehmer in öffentlichen und privaten Insitutionen, herzustellen. Da die Betrachtung der Vortragenden durch die Linse der Fachhochschulen erfolgte, wäre noch zu bedenken, dass eine Universität die Wissenschaft als weiteren Stakeholder am Arbeitsmarkt zu berücksichtigen hat. Anbieter von (Weiter-)Bildungsveranstaltungen wurden weiterhin von den Vortragenden als kreative Köpfe angesehen: Um den Markt weiterentwickeln zu können, bedarf es einer Reflexion seitens des Anbieters, welches Ziel mit den angebotenen Formaten langfristig angesteuert werden soll. Sicherlich ist an dieser Stelle auch die Anschlussfrage zu stellen, ob ein Kompetenzprofil neben dem direkten beruflichen Bezug nicht auch noch breitere Aspekte, wie z. B. die Allgemeinbildung, beinhalten sollte.

In einem nächsten Schritt werden erarbeitete Kompetenzen operationalisiert bzw. konkretisiert. Folgende Fragen können im weiteren Vorgehen unterstützen:

3.       Welche Inhalte unterstützen die Lernzielerreichung am besten?

Sowohl die Voraussetzung der Teilnehmenden als auch fachdisziplinäre Schwerpunkte sind in der inhaltlichen Abstimmung zu bedenken. Abschliessend sind Gedanken zum richtigen „Mix“, d. h. zur Gestaltung des gesamten Curriculums notwendig.

 4.       Welcher Mix angebotener Formen von Kompetenzerwerb wirkt am besten? Welche Inhalte könnten zum Block gebündelt werden? Welche Nachweise und welche Sequenzierung macht Sinn?

Über die Verdeutlichung des angestrebten Kompetenzprofils der Absolventen kann das Curriculum gesteuert werden und so eine Passung von Profil – Inhalt – Nachweis erreicht werden. Eine Zusammenarbeit mit der Berufspraxis und den bisherigen und zukünftigen Dozierenden/Lehrbeauftragten erscheint in diesem Zusammenhang als sehr wichtig. Die auf der Tagung vorgestellten Schritte und Implikationen zur Lernzielentwicklung decken sich mit unserem eigenen Verständnis der Kompetenzorientierung bei der Curriculumsgestaltung auf Programmebene und wird auch so von uns im Beratungsprozess der Studienprogramme umgesetzt (Brahm & Jenert, 2013).

 

Weitere Informationen finden sich in einem Beitrag des Berner Uni-Magazins.

Quelle:

Brahm, T. & Jenert, T. (2013). Herausforderungen der Kompetenzorientierung in der Studienprogrammentwicklung. In Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 8(1); 7-14.