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Besuch des Dritten Schweizer Methodenfestivals in Basel

Am vergangenen Samstag, 13.09.2014, besuchte ich das zweitägige Festival der Universität Basel zu qualitativen Forschungsmethoden. An dieser Stelle möchte ich von dem Forschungsatelier zu „Mixed Methods“ berichten: Prof. Max Bergmann referierte über das „Was“ und das „Warum“ von Mixed-Methods-Forschung. In der Interaktion mit den Teilnehmern versuchte er, quantitative Forschung und qualitative Forschung in ihrer Reinform gegenüberzustellen und kam zu dem Schluss, dass eine Unterscheidung per se nicht viel Sinn mache, sondern der/ die Forschende im Forschungsprozess unterschiedliche Möglichkeiten bzw. Zugänge habe und Mixed-Methods damit eine fast genuine Berechtigung habe.

MixedMethods2

Er reflektierte weiter bemerkenswert kritisch das deduktive Forschungsvorgehen, das insbesondere die Methodenausbildung an den Hochschulen dominiert: Von der Forschungsfrage zu den Daten, über deren Analyse hin zu einem Ergebnis. ‒ Bergmann plädierte dafür, in „Forschungsfrage“, „Daten“, „Analyse“ und „Ergebnis“ keine Abfolge von Schritten zu sehen, sondern vielmehr ein Beziehungsgeflecht von interdependenten Komponenten. Das Ergebnis könne dabei nie vollständig und unabhängig sein, sodass Mixed-Methods nicht den zugeschriebenen Anspruch einlösen könne, ein ganzheitliches Bild eines Phänomens wiedergeben zu können („idea of holism“). Im Zusammenhang mit dem Mixed-Methods-Ansatz und seinen Anforderungen und Erwartungen ließ sich Bergman zwar nicht unmittelbar auf einen oder mehrere Standards für eine gute Mixed-Methods-Forschung festlegen, sodass die Frage im Plenum blieb, ob dann nicht die Idee von „anything goes“ eine Mixed-Methods-Forschung auszeichnet. Er plädierte aber dafür, ein sequenzielles Design zu nutzen, sprich quantitatives und qualitatives Design in einer bestimmten Reihenfolge und einer selbst festgelegten geeigneten Fokussierung aneinanderzureihen. Besonders zu beachten ist dabei, dass man nicht zwei unterschiedliche Forschungsprojekte zu einem gleichen Thema mache, sondern, dass man einen Strang verfolge, den man mit sich ergänzenden Daten ausarbeitet („idea of complementary“). Besonders spannend war es für mich, dieses konstruktiv-kritische Forschungsatelier vor dem Hintergrund unseres Vorgehens in und unserer Ergebnisse aus dem Mixed-Methods-Projekt „Entwicklung von Einstellungen und Motivation der Studierenden im Assessment-Jahr“ zu reflektieren. Das Forschungsdesign dieses Projekts umfasst nämlich „die Verbindung einer Längsschnittstudie mit problemzentrierten Interviews. Mit dieser Kombination aus quantitativer und qualitativer Methodik soll einerseits die Entwicklung von Einstellungen und Motivation möglichst präzise und nachvollziehbar abgebildet werden. Andererseits ermöglicht die qualitative Methode die Beleuchtung von Einflussfaktoren auf die Einstellungs- und Motivationsentwicklung, die mittels eines standardisierten Instruments nicht erfasst werden könnten.“  (Quelle: verlinkter Projektbeschrieb) ‒ Wir werden von ausgewählten Ergebnissen im Blog berichten (ein aktueller Beitrag findet sich bereits hier); die aktuellste Publikation kann unter folgendem Link abgerufen werden).

2 Gedanken zu „Besuch des Dritten Schweizer Methodenfestivals in Basel

  1. tbrahm

    Liebe Patrizia,

    vielen Dank für deinen Blog-Beitrag!

    Ich finde ihn gut und schlüssig beschrieben und habe auch einen spannenden Einblick erhalten 🙂 Danke! Gerne würde ich noch mehr Details erfahren.

    Details zum Blog-Beitrag:
    Zu Beginn ist Mixed Methods verlinkt, ich glaube, da hat das Einbinden eines Links vielleicht nicht geklappt? Das Mixed Methods steht dann auch nochmal neben dem eingebundenen Bild. Ich bin heute NaMi fast terminlos am IWP, wir können das gerne anschauen.
    „war ich Gast“ –> klingt für mich wie unbeteiligter Zuschauer, ich finde in diesem Zsh. „besuchte“ besser.
    „damit eine fast genuine Berechtigung haben könne.“ –> ich kann verstehen, dass du hier indirekte Rede verwendest. Für einen Blog-Beitrag finde ich das vom Stil her ungünstig, da man den Eindruck hat, dass Mixed Methods also doch keine Berechtigung hat. Ich glaube, der „normale“ (nicht sprachwissenschaftlich vorgeprägte) Leser würde diese indirekte Rede eher als Wertung interpretieren…
    „das insbesondere die Lehre dominiert“ –> Welche Lehre? Die Lehre zu Forschungsmethoden? Würde in diesem Fall eher schreiben, die Methodenausbildung an den Hochschulen
    geeignete –> geeigneten
    „Besonders beachten müsse man dabei“ (siehe obigen Kommentar zu indirekter Rede) –> Besonders zu beachten ist dabei…
    „aus dem Mixed-Methods-Projekts“ –> ohne s am Ende

    Ja, es stimmt, dass wir einen Blog-Beitrag zum Einstellungsprojekt schreiben sollten. Für den Moment kannst du auf diesen Projektbeschrieb verlinken und ggf. auf Tobis und meine Publikationen in Alexandria. Dort findest du auch die aktuellen Konferenzpräsentationen dazu. An weiteren Publikationen arbeiten wir, aber es wird wohl noch ein halbes Jahr dauern, bis da Neues herauskommt.

    Hast du das Zitat aus dem Projektbeschrieb? Habe gerade keinen Internetzugang während ich das schreibe… würde das sonst mit Quelle zitieren, also wenn es beispielsweise aus dem Mosbach Abstract wäre, dann mit uns drei als Autorennamen…

    Nochmals danke für den Beitrag! Falls du Unterlagen von Herrn Bergmann erhalten hast, würde ich die gerne einmal anschauen.

    Lieben Gruss,

    Taiga

  2. mlehner

    Liebe Patrizia,

    danke auch von mir für den spannenden Beitrag! Ich hab keine zusätzlichen Verbesserungsmöglichkeiten gefunden und würde mir die Unterlagen – falls du welche bekommen hast dazu – ebenfalls gerne ankucken. Vielleicht könnten wir uns auch mal (mit euch, Taiga und Tobi) über Mixed Methods in Bezug auf das Erheben von Einstellungen austauschen. Habe ja einen ähnlichen forschungsmethodischen Ansatz und könnte mir vorstellen, dass ein Austausch fruchtbar werden könnte.

    Lieben Gruss,

    Marion

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