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Rückblick auf den Besuch an der Zeppelin-Universität

Im Februar 2014 war ich an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen zu Besuch. Zweck des Besuchs war der Austausch zwischen dem dortigen Lehrstuhl für Hochschuldidaktik und unserem Team für Hochschulentwicklung mit dem Ziel, gemeinsamen thematische Interessen zu identifizieren und zu vertiefen. Zunächst nochmals herzlichen Dank an Dr. Sandra Hofhues und Prof. Dr. Gabi Reinmann für die freundliche Aufnahme vor Ort und die Organisation des Besuchs.

Rückblickend lassen sich drei Themenstränge identifizieren, die in den Gesprächen mit verschiedenen Vertretern/-innen der ZU immer wieder aufkamen. An dieser Stelle möchte ich nicht nur die thematische Diskussion zusammenfassen, sondern auch den Bezug zu unserer eigenen Arbeit im Team Hochschulentwicklung herstellen.

1. Wie muss die Hochschulentwicklung an einer Universität verankert werden, um die Qualität der Lehre verbessern zu können?

Der Lehrstuhl für Hochschuldidaktik wurde im vergangenen Herbst an der ZU eingerichtet. Immer wieder kam nicht nur deswegen die Frage auf, wie sich Hochschulentwicklung und Hochschuldidaktik innerhalb einer Hochschule positionieren müssen, damit sie wirksame Veränderungen im Hinblick auf die Lehre erreichen können. Im Vergleich zu vielen anderen deutschen Hochschulen ist der Lehrstuhl für Hochschuldidaktik strategisch sehr hoch aufgehängt, da Gabi Reinmann in Personalunion gleichzeitig Vizepräsidentin für Lehre und Didaktik an der ZU  ist. Unsere Situation in St. Gallen ist einerseits ählich, da Dieter Euler als Delegierter des Rektorats für Qualitätsentwicklung ebenfalls eng mit der Hochschulleitung zusammenarbeitet. Andererseits ist unsere Situation aber auch deutlich anders, da das Team Hochschulentwicklung in das Institut für Wirtschaftspädagogik eingegliedert ist und sich unsere Forschungs- und Entwicklungsarbeiten nicht nur auf den Kontext der Hochschule, sondern auch auf Schulen und Betriebe beziehen.

2. Wie kann Studienprogrammentwicklung an einer Hochschule gestaltet werden?

Bereits in einem Beitrag in der ZfHE im Jahr 2010 stellten Tobias Jenert und ich fest, dass Programmverantwortliche i.d.R. im so genannten „Third Space“ (z. B. Whitchurch, 2008, 2010) agieren, d.h. eine Mittlerfunktion zwischen der Akademia und der Administration an einer Hochschule wahrnehmen. Auch an der ZU ist diese Position sehr deutlich spürbar. Ähnlich wie an der Universität St. Gallen wird die Rolle der Verantwortlichen für ein Studienprogramm (an der ZU Programmdirektoren genannt) von einer speziell mit dieser Aufgabe betrauten Person ausgefüllt, was zu einer hohen Professionalisierung des Programmmanagements führt. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie die strategische Weiterentwicklung des Studiengangs dauerhaft vorangetrieben werden kann. Besonders bedeutsam erscheint an beiden Institutionen eine enge Verbindung und häufige Kommunikation mit den Lehrenden und Lernenden im Studiengang.

3. Wie kann man Angebote für die Zielgruppe der (Nachwuchs-)Lehrenden gestalten?

Sowohl für die ZU als auch für die HSG besteht die Herausforderung, im Rahmen des lehrbezogenen Faculty Development ansprechende Angebote für die Zielgruppe der (Nachwuchs-)Lehrenden zu entwickeln. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit diese Angebote immer zielgruppenorientiert sein müssen oder ob es für die Weiterentwicklung der Zielgruppen nicht zielführender wäre, hier auch einmal aus dem Gewohnten auszubrechen. Anschliessend daran ist zu diskutieren, wie viel Verpflichtung man eigentlich für die Qualität(sentwicklung) der Lehre erreichen kann. Dabei ist in den Diskussionen immer wieder aufgefallen, dass verschiedene Ansprüche an die Studierenden getragen werden (z. B. Interdisziplinarität, Eigenverantwortung), die aber von den Lehrenden nicht oder nur teilweise gelebt werden.

Diese (und weitere) Felder werden uns im Team Hochschulentwicklung in der Zukunft sicherlich weiterhin beschäftigen. Wir freuen uns auf den Austausch und das gemeinsame Weiterdenken mit der ZU!

2 Gedanken zu „Rückblick auf den Besuch an der Zeppelin-Universität

  1. fburkart

    Liebe Taiga

    Herzlichen Dank für diesen spannenden Rückblick auf (und Einblick in) deinen Besuch an der ZU.

    Ich finde den Anfang mit der klaren Zielbeschreibung packend. Hierzu noch eine kleine Anmerkung: „gemeinsame thematische Interessen“ anstatt „gemeinsameN“. Ich würde aber allenfalls den Satz grundsätzlich ein wenig umformulieren: „Zweck des Besuchs war der Austausch zwischen dem dortigen Lehrstuhl für Hochschuldidaktik und unserem Team für Hochschulentwicklung, um gemeinsame thematische Interessen zu identifizieren und zu vertiefen“.

    Aus meiner Sicht sind die Titel in Frageform etwas verwirrend. Ich habe dann irgendwie eine Antwort darauf erwartet, was aber besonders bei der ersten Frage nicht der Fall ist.

    Insgesamt finde ich den Beitrag sehr gelungen! 

    Härzleche Gruess,
    Fränzi

  2. pkuehner

    Liebe Taiga,

    danke für deinen interessanten und „runden“ Beitrag! Mir hat er besonders gut gefallen, weil du die Gemeinsamkeiten und Unterschiede verständlich dargestellt hast und unter guten Diskussionsfragen gebündelt hast!

    Hier nur ein paar kleine sprachliche Anmerkungen:

    – Unsere Situation in St. Gallen ist einerseits ählich –> ähnlich
    – sich unsere Forschungs- und Entwicklungsarbeiten nicht nur auf den Kontext der Hochschule, sondern auch auf Schulen und Betriebe beziehen. –> evtl. Verwirrung über „unser, da zwei Referenzpunkte identifizierbar: das IWP oder HSE? – Jemand könnte sich fragen: Warum beschäftigt sich das Team HSE mit Schule und Betrieb?!
    – (an der ZU Programmdirektoren genannt) – evtl. Programmdirektoren in Anführungszeichen

    und zwei Aspekte, die man evtl. (für mich) bei Frage 3 noch verständlicher beschreiben könnte:
    – Dabei stellt sich die Frage, inwieweit diese Angebote immer zielgruppenorientiert sein müssen oder ob es für die Weiterentwicklung der Zielgruppen nicht zielführender wäre, hier auch einmal aus dem Gewohnten auszubrechen. –> was meinst du damit? Kannst du hier konkreter werden oder ein unkonventionelles Beispiel nennen?
    – Anschliessend daran ist zu diskutieren, wie viel Verpflichtung man eigentlich für die Qualität(sentwicklung) der Lehre erreichen kann. –> Was meinst du mit „Verpflichtung“ und von wem müsste sie erfüllt werden?

    Wie oben bereits angedeutet, sehe ich die Fragen – im Gegensatz zu Fränzi – als sehr ansprechend. Um keine Erwartungshaltung hinsichtlich Antworten auf die formulierten Fragen aufzubauen,wäre es vielleicht eine Idee anstelle von Themenstränge von „Diskussionsträngen“ zu sprechen.

    Lieber Gruss
    Patrizia

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