Passfoto_Marion

Entwicklung von Lernzielen für universitäre (Weiter-)Bildungsveranstaltungen

Workshop im Rahmen der Tagung zu „Guter Lehre“ an der Universität Bern am 08.11.2013

Am 08. November 2013 fand an der Universität Bern die Tagung „Die ’’gute’’ Hochschullehre in der Hochschulweiterbildung“ statt. Die etwa 100 Teilnehmer, überwiegend aus dem deutschsprachigen Teil der Schweiz sowie aus Deutschland, waren der Community der Hochschuldidaktiker und -entwickler der Universitäten und Fachhochschulen zugehörig. Nach Plenumsvorträgen folge eine Session mit drei parallel laufenden Workshops. Ganz besonders interessant fand ich den angebotenen Workshop von Dr. Martin Wild-Näf und Judith Studer von der Fachhochschule Bern, der die Erarbeitung von Learning Outcomes thematisierte. Sicherlich stellt dies kein brandneues Thema dar – jedoch war die Darstellung der einzelnen Schritte ebenso gut strukturiert wie praxisnah und somit ein wertvoller Beitrag für die Anwesenden.

Deutlich wurde von den Vortragenden hervorgehoben, dass das Festsetzen der Lernziele eine wichtige Basis für ein ganzes Studienprogramm oder einen einzelnen Kurs darstellt. Um zu den Learning Outcomes zu gelangen, sind die Handlungssituationen zu analysieren, in denen sich die Lernenden im Alltag wiederfinden und mit Problemen konfrontiert werden. Hier wäre eine erste Frage:

1.       Zu welchem Handeln sollen die Lernenden befähigt werden?

Direkt hieraus ergibt sich die Frage nach den benötigten Kompetenzen, um in diesem Handlungsfeld bestehen zu können:

2.       Wie sieht ein zugrundeliegendes Kompetenzprofil aus?

Der Blick sollte zum einen in die Berufspraxis gehen. Hier könnten rechtliche Vorgaben oder Stellenanzeigen Hinweise darauf geben, welche Kompetenzen gefordert werden. Hier wird die grösste Herausforderung gesehen, „korrekte“ Kompetenzprofile zu erstellen – also die Passung zum Arbeitsmarkt, i. d. R. zu Anforderungen an Arbeitnehmer in öffentlichen und privaten Insitutionen, herzustellen. Da die Betrachtung der Vortragenden durch die Linse der Fachhochschulen erfolgte, wäre noch zu bedenken, dass eine Universität die Wissenschaft als weiteren Stakeholder am Arbeitsmarkt zu berücksichtigen hat. Anbieter von (Weiter-)Bildungsveranstaltungen wurden weiterhin von den Vortragenden als kreative Köpfe angesehen: Um den Markt weiterentwickeln zu können, bedarf es einer Reflexion seitens des Anbieters, welches Ziel mit den angebotenen Formaten langfristig angesteuert werden soll. Sicherlich ist an dieser Stelle auch die Anschlussfrage zu stellen, ob ein Kompetenzprofil neben dem direkten beruflichen Bezug nicht auch noch breitere Aspekte, wie z. B. die Allgemeinbildung, beinhalten sollte.

In einem nächsten Schritt werden erarbeitete Kompetenzen operationalisiert bzw. konkretisiert. Folgende Fragen können im weiteren Vorgehen unterstützen:

3.       Welche Inhalte unterstützen die Lernzielerreichung am besten?

Sowohl die Voraussetzung der Teilnehmenden als auch fachdisziplinäre Schwerpunkte sind in der inhaltlichen Abstimmung zu bedenken. Abschliessend sind Gedanken zum richtigen „Mix“, d. h. zur Gestaltung des gesamten Curriculums notwendig.

 4.       Welcher Mix angebotener Formen von Kompetenzerwerb wirkt am besten? Welche Inhalte könnten zum Block gebündelt werden? Welche Nachweise und welche Sequenzierung macht Sinn?

Über die Verdeutlichung des angestrebten Kompetenzprofils der Absolventen kann das Curriculum gesteuert werden und so eine Passung von Profil – Inhalt – Nachweis erreicht werden. Eine Zusammenarbeit mit der Berufspraxis und den bisherigen und zukünftigen Dozierenden/Lehrbeauftragten erscheint in diesem Zusammenhang als sehr wichtig. Die auf der Tagung vorgestellten Schritte und Implikationen zur Lernzielentwicklung decken sich mit unserem eigenen Verständnis der Kompetenzorientierung bei der Curriculumsgestaltung auf Programmebene und wird auch so von uns im Beratungsprozess der Studienprogramme umgesetzt (Brahm & Jenert, 2013).

 

Weitere Informationen finden sich in einem Beitrag des Berner Uni-Magazins.

Quelle:

Brahm, T. & Jenert, T. (2013). Herausforderungen der Kompetenzorientierung in der Studienprogrammentwicklung. In Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 8(1); 7-14.

 

4 Gedanken zu „Entwicklung von Lernzielen für universitäre (Weiter-)Bildungsveranstaltungen

  1. Patrizia

    Liebe Marion,
    danke für den Einblick in den Workshop.
    Zu der zweiten Fragestellung ist mir unsere Diskussion vom BrownBag-Lunch eingefallen: Inwieweit soll die Hochschule Studierenden „nur“ Kompetenzerwerb für die berufliche Praxis ermöglichen bzw. inwieweit muss ein solches Kompetenzprofil nicht breiter sein und damit auch flexibler, insbesondere vor dem Hintergrund eines sich stetig wandelenden Arbeitsmarktes?
    Stilistisch hätte ich nur eine Anmerkung: Bei der vierten Fragestellung formulierst du – entgegen der vorherigen – über eine „ich-Konstruktion“. Das könnte man noch vereinheitlichen.
    Inaltlich würde mich interessieren, inwiefern der Workshop praxisnah war. Wurde ein konkretes Projekt vorgestellt, bei dem die Schritte durchlaufen wurden, oder waren das theoretische Überlegungen?

    Lieber Gruss
    Patrizia

  2. Taiga Brahm

    Liebe Marion,
    vielen Dank für deinen Beitrag! Ich habe ein paar Detailanmerkungen:
    Den ersten Satz würde ich anders schreiben: Am 08. November 2013 fand an der Universität Bern die Tagung „Die ’’gute’’ Hochschullehre in der Hochschulweiterbildung“ statt. –> verschiedene Aspekte klingt zu unbestimmt. Ausserdem würde ich den Link auch nur auf den Titel beziehen.
    Der Link zu „verschiedene Aspekte“ war für mich auch verwirrend. Ich würde eher unter deinem Gesamtbeitrag schreiben. Weitere Informationen finden sich in einem Beitrag des Berner Uni-Magazins.

    Falls möglich, wäre es klasse, wenn du die beiden Personen verlinken könntest –> Dr. Martin Wild-Näf und Judith Studer.
    Der Abstand zwischen dem 1. und 2. Absatz ist zu gross.
    Statt von den Dozierenden würde ich zu Beginn des 2. Absatzes von den Vortragenden sprechen.
    Und statt von Weiterbildungsteilnehmenden zu sprechen würde ich allgemeiner Lernende vorschlagen.
    Der Satz „Um den Markt weiterentwickeln zu können, bedarf es ebenso einer Reflexion seitens des Anbieters (i. S. v. „welches Ziel steuern wir langfristig an“).“ ist m.E. nicht ganz deutlich. Ausserdem wäre es hier wichtig, dass du auch erwähnst, dass es neben dem Arbeitsmarkt als Abnehmer auch weitere Stakeholder im Prozess gibt, die zu berücksichtigen sind, z.B. die Wissenschaft. Du könntest auch kritisch reflektieren, dass dieser Aspekt an einer Uni ggf. weitergehend zu betrachten ist im Vergleich zu einer Fachhochschule.
    Unter 3. Voraussetzung der Teilnehmer –> Teilnehmenden
    Und dann wäre es noch toll, wenn du Tobias‘ und meinen Beitrag (danke für’s Zitieren ;-)) auf der alexandria-Seite verlinken könntest.
    Danke nochmals! Lieben Gruss,
    Taiga

  3. tjenert

    Hallo Marion,

    ich finde den Beitrag auch sehr interessant und schön präzise geschireben. Ergänzend zu Patrizias und Taigas Hinweisen fände ich noch eine kurze Rahmeninfo zur Tagung bzw. dem Workshop interessant (also z.B. wie viele Leute waren da, wie setzte sich das Publikum zusammen, gab es Erfahrungen zum Thema von anderen Teilnehmenden,…).

    danke für den Beitrag und liebe Grüsse,

    Tobi

Schreibe einen Kommentar